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Heimtextil Trends 2020/21 – Interviews mit den Designern

Das Stijlinstituut Amsterdam bildet zusammen mit dem Londoner Studio FranklinTill und der dänischen Agentur SPOTT Trends & Business den „Trend Council“ der Heimtextil. In einem gemeinsamen Workshop haben die Trendforscher eine globale Marktprognose in Sachen Interior Design 20/21 erarbeitet.

Das Leitthema „WHERE I BELONG“ lässt erkennen, dass es nicht das eine, passende Konzept für alle geben kann. Um die verschiedenen Schichten unserer Identitäten auf informative und inspirierende Weise für jeden Einzelnen zu entschlüsseln und offen zu legen, hat das Stijlinstituut Amsterdam vier Designstudios und zwei Fotografen eingeladen, die die Aufgabe hatten, den Kern eines bestimmten Themas einzufangen. Dabei wurde den Kreativen jeweils das Thema zugewiesen, das ihrer Philosophie, Praxis und Herangehensweise am ehesten entsprach, um jeder Designstory eine persönliche und authentische Note zu verleihen.

„Maximum Glam“ verbindet Glamour mit der Faszination Technik, „Pure Spiritual“ vereint Natur und Mystik, „Active Urban“ zeigt zweckmäßige, anpassungsfähige Lösungen, „Heritage Lux“ zelebriert Geschichte und Tradition und „Multi-Local“ beleuchtet den globalen Einfluss regionaler Kulturen.

Interview: Bastiaan de Nennie über Maximum Glam

Designer und Gründer der Phygital Studios Bastiaan de Nennie
Designer und Gründer der Phygital Studios Bastiaan de Nennie

Von Amsterdam aus übersetzt Designer und Gründer der Phygital Studios, Bastiaan de Nennie, den Maximum Glam-Trend von der Idee in die Realität: Er designt neue textile Formen und druckt in 3D. An der Schnittstelle von Physischem und Digitalen: De Nennie verwendet reale Objekte als „Bausteine“ für neue digitale Formen. Dabei kombiniert er die verschiedenen Medien, um „phygitale“ 3D-Druckkreationen zu erschaffen.

„Der große Unterschied ist: Ich fange bei meiner Arbeit nie damit an, am Computer zu zeichnen. Das gilt auch für dieses [Projekt]. Alles kommt aus der realen Welt. Ausgangspunkt ist immer etwas 3D-Gescanntes, ein Bild oder echte Textilien. Auf diese Weise erhält man eine völlig andere Formensprache als bei gewöhnlichen digitalen 3D-Designern – welche sich meiner Meinung oftmals so ähnlich sehen, dass man nicht sagen kann, welcher Designer oder welches Studio es gemacht hat."

Heimtextil Trend 2020/21: Maximum Glam

Dieser einzigartige Prozess ist in den Videos zu sehen, die De Nennie für die Heimtextil erstellt hat, um Maximum Glam im Vorfeld der Veranstaltung zu präsentieren. „Bei den Filmen handelt es sich um Videos echter Textilien – das kommt nicht oft vor. In den meisten Fällen werden sie am Computer erstellt und versuchen die Realität zu imitieren ­– und das machen sie gut. Aber ich versuche nicht, die Realität zu kopieren; ich nutze sie. Wenn die Kamera nicht die perfekte Auflösung hat oder wenn der 3D-Scan nicht perfekt ist, nutze ich diese Unvollkommenheit, akzeptiere sie. Ich verwende sie als Stilmittel, anstatt zu versuchen, die Realität zu kopieren."

„Damals, als es noch Zeitungen und Zeitschriften gab, bastelte man Collagen – oder man baute es eben in Photoshop", fährt er fort. „Tatsächlich mache ich beides: Ich kombiniere 3D-Dateien mit Videos und Fotos – sodass alles in Einem zusammenkommt. Die ganze Arbeit, die ich für die Heimtextil geleistet habe, all diese Welten kommen durch Cut und Paste in echten Textilien aus dem 3D-Scanner zusammen. Alle Techniken werden zu einem großen Phygital, was zugleich der Name meines Studios ist."

Die vielschichtige Arbeitsweise mit der De Nennie seine Arbeiten erstellt, gleicht den vielen Ebenen des übergreifenden Themas. „In [Maximum Glam] gibt es einige Unterthemen, und für jedes Unterthema habe ich eine eigene Materialwelt erschaffen", erklärt De Nennie. „[Es ist] sehr strukturiert, futuristisch, fast zirkusartig: Flauschige Haare, Schillern, alles in Kombination - gewebt wie kulturelle Textilien. Ich mag diese Unvollkommenheit.“

Heimtextil Trend 2020/21: Maximum Glam

Wie sieht De Nennie diesen Trend im Kontext des Interieur Wirklichkeit werden? „Ich würde es mit dem vergleichen, was man auf einem Laufsteg sieht: Die meisten Leute würden es nicht tragen, bis auf die Details. Für [Endkonsumenten, die] Maximum Glam interpretieren, können das pelzige [Texturen] oder kantige, starke Details von Einrichtungsgegenständen oder sogar Tapeten sein. Natürlich sollte es keine ganze Wand sein, aber ein Sockel im Zimmer oder die Couch könnte etwas Maximum Glam haben, wie kleine Beine. Auf einer Messe wie der Heimtextil kann man weiter gehen. Für die Endkonsumenten geht es bei [Maximum Glam] meiner Meinung nach darum, klein anzufangen und wirklich kleine Teile von Innenräumen zu beeinflussen.“

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Raw Color on Pure Spiritual

Daniera ter Haar und Christoph Brach von Raw Color
Daniera ter Haar und Christoph Brach von Raw Color

Erzählungen zwischen Farbe und Material erforschen: Wenn Daniera ter Haar und Christoph Brach von Raw Colour Produktdesigns, Grafikdesigns und Fotografien gestalten, setzten sie auf Forschung und Experimente. In Arbeiten für Arco, Nanimarquina, Textil Museum Tilburg und Adidas zeigen sie ihre visuelle Sprache, die sie im Laufe der Zeit entwickelt haben. Das Markenzeichen: Reinheit und Intensität. Gemeinsam mit ihrem Studioteam in den Niederlanden haben die beiden für die Heimtextil 2020 den Trend „Pure Spiritual“ umgesetzt.

Trend-Material für Raw Coloor auf der Heimtextil 2020
Bild von Raw Color für die Heimtextil 2020

„Pure Spiritual hat eine warme, leichte und frische Farbpalette. Es kombiniert rau und organisch mit glatt und geometrisch, was ihm einen unerwarteten Kontrast verleiht. Das Resultat: Ein sensibles und überraschendes Motiv“, erklärt das Designer-Duo. Ausgewählt wegen ihrer idealistischen Natur und der Fähigkeit einem intensiven, ruhigen und mystischen Trend Leben einzuhauchen, baut ihre Vision für Pure Spiritual auf einem dementsprechenden Werk auf. „In den letzten zwölf Jahren haben wir uns in unserer Arbeit immer mehr mit der Natur oder natürlichen Inhaltsstoffen befasst. Angefangen mit der Verwendung von Pflanzen als Naturfarbstoff für unser Projekt „Tinctorial Textiles“ bis zur Herstellung von „Paper Shades“, einem Papier aus ungebleichten Holzfasern. Für beide Projekte greifen wir auf unsere grafischen Fähigkeiten und Farbinstinkte zurück, während wir mit der Natur und ihren Qualitäten arbeiten.”

Was bedeutet Pure Spiritual? Für Brach und ter Haar ist es wichtig, dass die Natur ohne Vorurteile reflektiert wird. „Bei dem Thema geht es um reine Elemente, die Kraft der Pflanzen und Spiritualität. Diese Aspekte können schnell stereotyp interpretiert werden. Die Herausforderung bestand darin, diese auf überraschende und unvorhersehbare Weise zu zeigen und zu visualisieren.” Auch der kreative Prozess war geprägt von Überraschungsmomenten: „Wir haben versucht, die Bilder so weit wie möglich im Voraus zu planen und die Sets mit geeigneten Requisiten und Objekten vorzubereiten. Trotz alledem waren während der Produktion spontane Eingriffe nötig, um den Kontrast zu schaffen, der in Pure Spiritual dargestellt wird.“

„Tinctorial Textiles” von Raw Color
„Tinctorial Textiles” von Raw Color

Für die Heimtextil 2020 entwickelte Raw Color Bilder, die den Pure Spiritual-Trend widerspiegeln. „Die Materialien werden aus natürlichen Zutaten wie Myzel, Algen und Kiefernrinde hergestellt; so wird eine Verbindung zur botanischen Welt geschaffen. Es gibt eine Auswahl an Echt- und Kunstleder sowie Textilien mit klassischen Naturfasern wie Jute und Wolle. Die Farben beziehen sich auf ihre Herkunft und werden von den eingesetzten Ressourcen bestimmt.“

Die Designer bei Raw Colour sind der Ansicht, dass sich das Thema „in der Einrichtung von Menschen manifestieren kann, die Konzentration und Ruhe anstreben, aber eine ikonoklastische und kontrastreiche Atmosphäre suchen". Es ist eine willkommene Möglichkeit für Innenräume, die darauf abzielen, Werte im heutigen Klima abzubilden. „Die vom Menschen geschaffene und natürliche Welt verschmelzen zu einer Umgebung, die gefühlvoll und stimulierend für alle Sinne ist. Gutes tun, wird zu einem wichtigen Entscheidungskriterium für Einkäufe. Die Herkunft soll transparent kommuniziert und die Ressourcen als wertvoll anerkannt werden.“

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envisions on Active Urban

envisions über Active Urban
envisions über Active Urban

envisions beschreibt sich selbst als „ein Design Kollektiv, das alles außer das Endprodukt präsentiert” und orientiert sich dabei an der Co-Gründerin und Art Direktorin Sanne Schuurman. Das Team umfasst 20 interdisziplinäre Designer, die die Faszination für experimentelle Forschung eint. In ihrer Arbeit hinterfragen sie die Grenzen zwischen dem kreativen Prozess und dem fertigen Produkt. Mit früheren Kollaborationen und Ausstellungen zielte das Kollektiv darauf ab, konventionelle Arbeitsweisen zu ändern. Dieses Anliegen verfolgt envisions im Rahmen der Heimtextil 2020 weiter und erkundet dabei den Trend Active Urban.

„envisions arbeitet im Kollektiv mit einer Methode, bei der es darum geht, selbst zu kreieren, zu schaffen und zu experimentieren“, erklärt Schuurman. „Umgeben von Materialien haben wir im Fotostudio damit begonnen, richtungsweisende Farben, Texturen und Formen zu konzipieren und herzustellen. Die Hintergründe der Trend-Visuals sind virtuell. So werden die Materialien in einen Kontext gesetzt und konkrete Anwendungsbeispiele für den Wohnraum gegeben. Indem wir die virtuelle Realität mit den Fotografien der Materialien zusammenführen, können wir neue Aspekte aufzeigen und spezifische Details hervorheben.“

Active Urban Textures: Bild von envisions zur Heimtextil 2020
Active Urban Textures: Bild von envisions zur Heimtextil 2020

Es sind genau diese Details, die den Trend Active Urban auszeichnen. Die richtige Balance zu finden, war dabei eine besondere Herausforderung. „Es hat sich als schwierig erwiesen, das richtige Maß an Weichheit und Festigkeit für die glatten und harten Materialien dieses Themas zu bestimmen. Zum Beispiel sind recycelte Materialien optisch typischerweise kunstvoll und rau, während sie innerhalb dieses Themas ein fertiges und glattes Erscheinungsbild aufweisen müssen, um den Eindruck zu erwecken, dass sie als übliches Material und nicht nur als Highlight verwendet werden können."

„Active Urban ist digitales Wohnen mit einem Schwerpunkt auf einem klar strukturierten Wohnraum und einer auserlesenen, minimalistischen Kombination von Materialien“, sagt Schuurman. „Daher haben wir entschieden, dass Virtual Reality und Fotografie die besten Formate sind, um diesen Trend abzubilden und eine gelungene Kombination von digital/glatt und taktil/weich zu präsentieren."

Active Urban Colours: Bild von envisions zur Heimtextil 2020
Active Urban Colours: Bild von envisions zur Heimtextil 2020

Die Active Urban Visuals von envisions zeigen letztendlich, wie die Materialien in der Realität eingesetzt werden können. Die Kollaboration der Heimtextil mit envisions kam übrigens fast nicht zustande. „Anfangs haben wir den Zusammenhang zwischen envisions und Active Urban in Frage gestellt, da wir aufgrund unserer Voreingenommenheit gegenüber dem Trend, diesen nicht für uns gewählt hätten. Anne Marie hat uns dann erklärt, dass wir wegen unserer Art und Weise wie wir unsere Arbeit dokumentieren für diesen Trend ausgewählt wurden. Das und unsere Affinität, starke Formen mit einfachen, aber effektiven Farb- und Materialanwendungen zu kombinieren, hat uns dann doch zusammengebracht.“ Das Ergebnis? Ein Beleg für die einzigartige Herangehensweise von envisions.

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Bart Hess über Heritage Lux

Künstler und Designer Bart Hess
Künstler und Designer Bart Hess

In seinen verblüffenden Arbeiten kombiniert der Künstler Bart Hess Handwerkstechniken mit digitaler Manipulation, Haptik und Intuition. Durch Kollaborationen mit Iris van Herpen, Nick Knight und Lady Gaga, ist Hess für die Heimtextil kein Unbekannter. Dieses Jahr kreierte er mit seiner theatralischen Herangehensweise den Heritage Lux Trend.

Hess erkannte die Parallelen zwischen seiner Arbeit und dem Trend sofort. „Es gibt viele Überschneidungen“, erklärt er. „Meine Arbeit verkörpert fast immer etwas Geheimnisvolles, obwohl die meisten Materialien, die ich verwende, sehr konkret sind. Zudem ist Eleganz ein gemeinsamer Nenner von Heritage Lux und meiner persönlichen Arbeit.“

Eleganz mit einem Twist ist die charakteristische Handschrift von Hess. Dafür manipuliert und verformt er die verschiedenen Materialien über ihre ursprüngliche Form hinaus, um eine Vision zu erschaffen. „Die größte kreative Herausforderung bestand darin, dass ich in jedes Bild mindestens ein dynamisches Element integrieren wollte: den menschlichen Körper, Textilien, Wasser, Rauch und Rasierschaum.“ Die Verwendung von Alltagsgegenständen im Zusammenspiel mit traditionellen Textilien birgt seine eigenen Herausforderungen: „Wie der Rasierschaum, der beim Auftragen auf den Körper unterschiedlich reagiert“, sagt Hess. Doch dadurch war es ihm möglich, etwas Unerwartetes zu erschaffen. „Etwas Dynamisches einzubauen bedeutet auch, eine neue Perspektive einzunehmen“, sagt er.

Bild von Bart Hess für die Heimtextil 2020
Bild von Bart Hess für die Heimtextil 2020

Seine Art mit dem Körper zu arbeiten, bringt Haptik in die Bildsprache. „Ich wollte alles so rein wie möglich fotografieren - mit der geringsten postdigitalen Manipulation. Für das Bild mit den roten Händen, habe ich beispielsweise mit verschiedenen Farben und Materialanwendungen experimentiert, um diese samtige Hautstruktur zu erzielen. Ich könnte dies auch durch digitale Manipulation erreichen, aber dadurch, dass wir direkt mit der Haut unseres Modells gearbeitet haben, wird das Bild automatisch reiner. Das Model spürte und erlebte dieses samtige Gefühl, sodass ihre Handbewegungen eleganter wurden.“

Wie stellt sich Hess über seine Kreationen für die Heimtextil hinaus die Verkörperung des Heritage Lux Trends in Interieurs vor? „Ich finde es sehr viel interessanter herauszufinden, wie andere Innenarchitekten den Trend Heritage Lux auf Basis meiner Bilder interpretieren würden“, sagt er.

Bild von Bart Hess für die Heimtextil 2020
Hand - Bild von Bart Hess für die Heimtextil 2020

Bilder von Bart Hess für die Heimtextil 2020

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Stephen Tayo und Jan Hoek über Multi-Local

Stephen Tayo über Multi-Local

Stylist und Fotograf Stephen Tayo
Stylist und Fotograf Stephen Tayo

Der in Lagos lebende nigerianische Stylist und Fotograf Stephen Tayo zeigt, dass Stil eine Lebensweise ist. „Wenn man den gleichen Stoff wie jemand trägt, sieht man, wie nah man sich wirklich ist“, erklärt er. Tayos Arbeiten dokumentieren derzeit die Drag-Subkultur in Nigeria und sind in der Vogue, Dazed und der New York Times zu sehen. Zuletzt fotografierte er neben dem Künstler, Fotografen und Schriftsteller Jan Hoek Streetstyles in Lagos. Für die Heimtextil kollaborierten die zwei Künstler, um den Multi Local Trend darzustellen.

„In erster Linie bestand die Idee der Zusammenarbeit darin, dass ich und mein guter Freund Jan Hoek einen Weg finden wollten, um Ideen auszutauschen, die für unsere beiden Kulturen von Nutzen sein können. Es ist eine sehr schwierige Zusammenarbeit, wenn ein afrikanischer Künstler und ein westlicher Künstler kollaborieren. Schwierig bedeutet meiner Meinung nach nicht notwendigerweise kompliziert, sondern in einem vagen Sinne heikel. Ich kenne niemanden, der wirklich versucht hat herauszufinden, was Zusammenarbeit bringen kann. Insbesondere wenn dabei zwei verschiedenen Welten aufeinandertreffen.”

Sal Gbajabiamila bei sich Zuhause, fotografiert von Stephen Tayo und Jan Hoek
Sal Gbajabiamila bei sich Zuhause, fotografiert von Stephen Tayo und Jan Hoek

Die „andere Welt“, in der Tayo lebt und arbeitet, zelebriert Interieurs. „Das ist wirklich ein großer Teil unserer Kultur, um ehrlich zu sein. Die Menschen haben unterschiedliche Geschmäcker und entscheiden sich für das, was sie wollen. Zum Beispiel hat Frau Sal Gbajabiamila - eine der schönen Persönlichkeiten, die für das Projekt fotografiert wurde - einen erstaunlichen Geschmack. Das schrullige Interieur in ihrem Haus könnte als ungewöhnlich bezeichnet werden - aber das ist ihr Stil und ihr Geschmack. Meiner Erfahrung nach sind Menschen allgemein sehr offen für verschiedene Arten von Innenräumen. Es ist wirklich ein großer Teil unseres Lifestyles. Genauso wie wir Mode sehen und sie ernst nehmen.“

Bei jüngeren Generationen beobachtet Tayo, wie sie ihre lokalen Kulturen über verschiedene Medien ausdrücken. „Der Wert der Kultur steigt für jüngere Generationen enorm. Auf Kultur wird nicht mehr herabgeschaut, sie wird nicht als selbstverständlich hingenommen. Zum Beispiel hören die Leute mehr Musik von lokalen Künstlern und Modedesigner arbeiten sozial verträglicher.“

Olawole Israel Falope, genannt Raymond, im Salon Unique Touch, fotografiert von Stephen Tayo und Jan Hoek
Olawole Israel Falope, genannt Raymond, im Salon Unique Touch, fotografiert von Stephen Tayo und Jan Hoek

Bei dem Multi Local Trend werden lokale Stile mit globalen Einflüssen kombiniert. „Die Welt in der wir gerade leben, ist sehr experimentell und offen für neue Einflüsse, insbesondere im Internet. Die Menschen haben manchmal das Gefühl, die ganze Welt sei zum Greifen nahe“, sagt er. „Aber ich denke, dass es nicht darum geht, die Welt über das Internet zu betrachten, sondern sie physisch zu erleben. Einflüsse kommen aus anderen Regionen, aber ich bezweifle, dass sie lokale Einflüsse ersetzen können. Lokale Einflüsse sind eine Lebensweise, die kulturell gebunden ist. Egal wie die Leute in die Ferne schauen, letzten Endes verschmelzen sie es mit dem, was sie bereits haben.“

Jan Hoek on Multi-Local

Künstler, Fotograf und Schriftsteller Jan Hoek
Künstler, Fotograf und Schriftsteller Jan Hoek

Für den Amsterdamer Künstler, Fotografen und Schriftsteller Jan Hoek ist Zusammenarbeit der Schlüssel zum Erfolg. Die Schönheit des Unbekannten: Für seine Arbeiten folgt Hoek seiner Neugierde und erzählt die Geschichten von Personen, die normalerweise ausgeschlossen und übersehen werden. Von Foam (Amsterdam) über Photoville (New York) bis hin zu Fomu (Antwerpen): Hoeks Arbeiten sind weit gereist. Die Arbeitsbeziehung zwischen Hoek und seinem Kooperationspartner, dem Stylisten und Fotografen Stephen Tayo begann mit einem Fotoauftrag für den New York Times Artikel „Was es in Lagos bedeutet, sich zu kleiden“. Die zwei Künstler interpretieren mit ihrem multidisziplinären Ansatz den Multi Local Trend.

„Ich versuche immer, neue und gleichberechtigte Kooperationen mit anderen Menschen einzugehen. Am liebsten aus anderen Kulturen“, sagt Hoek. „Ich wurde in Utrecht geboren und ich lebe seit meinem 12. Lebensjahr in Amsterdam. Im Moment ist die niederländische Kreativbranche eine der weißesten, die ich kenne. Wir versuchen, vielfältig und offen zu sein, aber am Ende sind wir es nicht und ich glaube, dass die Niederländer nicht wirklich offen dafür sind, ihre Machtposition zu teilen.“

Für Hoek wurde dies immer deutlicher, je mehr er außerhalb der Niederlande arbeitete. „Ich sehe den Unterschied in anderen großen Städten. Die Kritik von People of Color hat mich dazu gebracht, meine Arbeitsweise zu ändern und das hat ihr gut getan.“

Der Provokateur und Popstar Charly Boy (geb. Charles Oputa) in seinem Haus in Abuja, Nigeria, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo
Der Provokateur und Popstar Charly Boy (geb. Charles Oputa) in seinem Haus in Abuja, Nigeria, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo

Dies brachte Hoek dazu nicht nur zu reflektieren wie er arbeitete, sondern auch wessen Geschichten er erzählte. „Als ich mit der New York Times über eine Serie in Nigeria sprach, hatte ich sofort das Gefühl, dass es moralisch nicht in Ordnung ist, dies alleine zu machen“, erklärt er. „Ich kenne Lagos, weil ich meine Arbeiten bei Lagos Photo ausgestellt habe, einem der wichtigsten Fotofestivals auf dem afrikanischen Kontinent. Hier habe ich Stephen Tayo getroffen, einen jungen nigerianischen Fotografen: Wir hatten sofort eine Verbindung. Es gibt so viele großartige Fotografen in Nigeria. Trotzdem wird jedes Mal, wenn eine große westliche Medienmarke dort etwas porträtieren möchte, ein westlicher Fotograf eingeflogen. Die New York Times hat mich auch dorthin gebracht - aber ich habe mein Honorar mit Stephen geteilt. Beim nächsten Mal können sie ihn direkt fragen.“

Nike Davies-Okundaye, Textildesigner und Galerist, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo
Nike Davies-Okundaye, Textildesigner und Galerist, fotografiert von Jan Hoek und Stephen Tayo

Für die Heimtextil 2020 haben Hoek und Tayo eine Auswahl von Bildern zusammengestellt, die den Multi Local Trend widerspiegeln. Ihre Arbeit zeigt einen Trend, der Austausch, kreative Integrität und unterschiedliche Identitäten würdigt - um Inklusivität statt Aneignung zu zelebrieren. Werden Lifestyle und Identität also in Zukunft eine größere Rolle in Innenräumen spielen? "Ich denke, es wäre schön, wenn mehr Menschen auf der Welt mit ihren Häusern so experimentierfreudig sind wie in Lagos - aber ich weiß nicht, ob und wann das passieren wird."

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