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Heimtextil Future Materials Library

Future Materials Library

Eine internationale Kollektion von Materialinnovationen im Interior Bereich, kuratiert von der Zukunftsagentur FranklinTill.

Die von FranklinTill kuratierte Future Materials Library 2021 feiert radikale Designer, innovative Hersteller und umweltbewusste Produzenten, die dazu beitragen, das aktuelle, lineare System von Produktion und Konsum in ein zirkuläres Modell zu verwandeln. Die in der Bibliothek ausgestellten Textilien und Interior-Materialien sind ein Mix aus kommerziell realisierbaren Produkten und Entwicklungen im Frühstadium. Sie wurden unter vier Hauptthemen zusammengefasst: Regenerative Nutzpflanzen (REGENERATIVE CROPS), umgearbeitete Fasern (REMADE FIBRES), Ernten von Abfallströmen (HARVESTING WASTE STREAMS) und nachhaltige Farben (SUSTAINABLE COLOUR). Zusammen inspirieren sie Produzenten und Verbraucher gleichermaßen, sich dem Kreislauf anzuschließen.

REGENERATIVE CROPS

KÖNNEN WIR MATERIALIEN AUF EINE WEISE ANBAUEN, DIE DIE UMWELT BEREICHERT?

Der moderne Faseranbau ist oft mit hohen Kosten verbunden – vor allem für die Umwelt: Ökosysteme werden aus dem Gleichgewicht gebracht, der Mutterboden erschöpft, Wüsten gebildet, die Natur verschmutzt und große Mengen an Wasser und Chemikalien verbraucht. Doch es gibt regenerative Praktiken in der landwirtschaftlichen Faserherstellung, die diese Probleme angehen: Durch nachhaltige "Boden-zu-Boden"-Techniken können die Pflanzen, der Umwelt etwas zurückzugeben. Diese Anbaumethoden sind gut für den Boden, fördern die Artenvielfalt und absorbieren Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Und nicht nur das: Sie bringen oft höhere und häufigere Erträge als traditionelle Kulturpflanzen und Methoden. Hanf, Nessel, Yak-Faser und Flachs – sie alle bereichern als bewusst angebaute Textilien die neue natürliche Materiallandschaft.

REMADE FIBRES

KÖNNEN WIR DURCH EIN GESCHLOSSENES, ZIRKULÄRES SYSTEM DIE LEBENSDAUER VON TEXTILIEN VERLÄNGERN?

Aus alt mach neu: Textilabfälle werden gedankenlos weggeworfen – doch in ihnen steckt viel Potential. Industrielle und Post-Consumer-Textilabfälle umlenken – das ist der Schwerpunkt vieler sich neu entwickelnden Technologien. Zukunftsorientierte Marken, Hersteller und Social Businesses nutzen den Müll, der sonst verbrannt wird oder auf Deponien liegt, (wieder) als Ressource in einer neuen Produktionskette. Egal ob Monomaterial oder Materialmix: Die Stoffreste durchlaufen chemische oder mechanische Prozesse, um zu Fasern reduziert, zu Garn verarbeitet und wieder in verwendbare Textilien umgewandelt zu werden. Das Endziel: ein unendlicher, abfallfreier Kreislauf der Regeneration.

HARVESTING WASTE STREAMS

KÖNNEN WIR INDUSTRIELLE ABFALLSTRÖME FÜR WERTVOLLE ROHSTOFFE ANZAPFEN?

Müll neu denken: Immer mehr Designer und Materialinnovatoren verändern ihre Einstellung gegenüber Abfall und sehen ihn als wertvollen Rohstoff für die Textil- und Materialindustrie. Die Motivation für diesen Perspektivwechsel? Die dringende Notwendigkeit, die kostbaren Ressourcen unseres Planeten zu erhalten und gleichzeitig die Menge des von uns erzeugten Mülls zu reduzieren. Die produktive Wiederverwendung von Post-Consumer- und Industrieabfällen erweist sich zunehmend als praktikable Lösung. Von der Nahrungsmittelproduktion über die Schafzucht bis hin zur Forstwirtschaft – wiederverwendbare Nebenprodukte und Abfallströme eröffnen sich in verschiedensten, unerwarteten Industrien. Sie zeigen vor allem eins: dass wir bereits heute über alle materiellen Ressourcen verfügen, die wir für die Entwürfe von morgen benötigen.

SUSTAINABLE COLOUR

KÖNNEN WIR DIE ÖKOLOGISCHEN UND SOZIALEN AUSWIRKUNGEN DER TEXTILFÄRBUNG REDUZIEREN?

Über die Herausforderungen der Rohstoffbeschaffung und des Entsorgung des Produkts hinaus werden die Produktionsprozesse in der Textil- und Materialindustrie zunehmend auf den Prüfstand gestellt. Ein wichtiger Punkt in dieser Betrachtung: nachhaltige Textilfärbepraktiken. Denn die Fertigung und Anwendung synthetischer Farbstoffe ist nicht nur wasserintensiv, auch die Gesundheits- und Umweltgefahren, die von den verwendeten toxischen Chemikalien ausgehen, sind beunruhigend. Doch schon jetzt eröffnet sich eine Vielzahl an spannenden Möglichkeiten: Langsame, natürliche Färbeprozesse bieten eine schonendere Lösung für die Herstellung von Farben in dazu passenden subtilen, beruhigenden Nuancen. Landwirtschaftliche Nebenerzeugnisse werden zur üppigen Quelle für die Farbstoffextraktion und im Labor erzeugen Bakterien durch Fermentation eine breite Palette an besonderen Farben.