Fast accesses

Exhibitions (A-Z)

Congresses and events

17.01.2009 Schlussbericht zur Heimtextil 2009

  • Heimtextil spiegelt bessere Marktperspektive als erwartet – verunsicherte Branche gibt sich positive Impulse und Orientierung
  • Neue Einrichtungstrends, nachhaltiges Produktmanagement und Potenziale in der Objektausstattung stimmen zuversichtlich
  • Konjunkturaussichten der Wohntextilbranche: Ausland blickt pessimistischer auf 2009 als das Inland

Die Heimtextil hat die Branche der Wohn- und Objekttextilien mit neuen Impulsen motiviert. Die zu Jahresbeginn unter dem Eindruck der weltweiten Konjunktur-Verlangsamung und Krisenstimmung angereisten Aussteller sehen sich in ihren Erwartungen übertroffen. Die Besucher loben die Qualität der Produktneuheiten und Vermarktungsanreize der Aussteller für die kommende Saison. „Die Heimtextil hat es geschafft, den Ausstellern und den Besuchern mit neuen Design-Impulsen, innovativen unternehmerischen Ansätzen aus dem Nachhaltigkeitsprinzip und modernen Absatzmöglichkeiten eine Orientierung aus der Verunsicherung heraus zu geben,“ sagt Detlef Braun, Geschäftsführer der Messe Frankfurt, zu Messeschluss. „Die Erwartungen an die Frequenz und die Qualität der Besucherkontakte bei den Ausstellern wurden übertroffen.“

Die gute Messestimmung hat viele Aussteller der Heimtextil zuversichtlich gestimmt. Für die inländische Heimtextilien-Industrie zog Verbandsgeschäftsführer Hans Joachim Schilgen das Fazit: „Unsere krisenerprobte Branche wird auch aus diesem Tief neuen Schwung holen. Die Zufriedenheit unserer Verbandsmitglieder mit den Kontakten und Orders hat uns das Vertrauen in den Markt wieder gegeben und Wege zurück in die Normalität des Geschäftslebens gewiesen.“

Die positiven Bewertungen des Messeverlaufs können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Marktteilnehmer schrumpft. Im Inland schlossen weitere Textilproduktionsstätten. Ihre Zahl sank um fünf Prozent auf 195 Betriebe mit 20.100 Beschäftigten (-700). Auch im Ausland ringt die Textilindustrie um ihren bisherigen Bestand: In Frankreich etwa wurde zu Jahresbeginn der Rahmen der Staatsbeihilfen für konjunkturbedingte Kurzarbeit insbesondere in der Textilindustrie ausgeweitet.
Textil-Exportweltmeister China erlebt eine Insolvenzwelle und verlagert seine Aktivitäten auf die Befriedigung des Binnenmarkts bei gleichzeitiger Stützung durch steuerliche Hilfsprogramme. Europa, so die Feststellung des neu amtierenden EURATEX-Präsidenten Dr. Peter Pfneisl, habe zwar mit seinen Potenzialen durch hochwertiges Design, modernste Technologie und Qualitätsorientierung alle Kraft, sich auch in Krisenzeiten zu behaupten. Allerdings zeige auch die Auftragskurve der kreativen und exportstarken europäischen Textilindustrie seit dem zweiten Quartal 2008 nach unten und belaufe sich für das Gesamtjahr auf ein Minus von mindestens sieben Prozent.

Entsprechend haben sich die Konjunkturerwartungen der Aussteller und Besucher aus Industrie und Handel eingetrübt – insbesondere im Ausland: Der Anteil derjenigen, die eine Verschlechterung der Konjunktur erwarten, verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf fast die Hälfte der befragten ausländischen Aussteller und Besucher. Im Inland sieht dies nur etwa ein Viertel der Befragten so düster.

Aus dieser Branchenstimmung heraus verzeichnet die Heimtextil mit mehr als 74.000 Besuchen aus 121 Ländern weniger als im Vorjahr, so die Hochrechnung am Messeschlusstag. Aus dem Inland kamen deutlich mehr Besucher als angesichts der allgemeinen Wirtschaftslage zu erwarten waren. Deutschland bleibt, wie auch auf Ausstellerseite mit 440 Firmen, mit rund 27.000 Besuchen stärkste Nation.Der Internationalitätsgrad sank um einen Prozentpunkt auf 63 Prozent. Die Reduktion der ausländischen Besuchszahlen erklärt sich aus der schlechteren Branchenerwartung und Wirtschaftslage: Die von fern angereisten Besucher kamen in weit kleineren Delegationen und für einen im Schnitt von 2,4 auf 2,0 Tage verkürzten Aufenthalt.

Die seit der Finanzmarktkrise besonders betroffenen Nationen wie etwa die USA und China sowie weitere, an den US-Dollar-Kurs gebundene Volkswirtschaften wie Indien oder Südkorea zeigten hier signifikante Rückgänge. Aus den europäischen Staaten wie etwa Italien, Portugal, Spanien oder Schweden, die auch im Europa-Vergleich die deutlichsten Rückgänge ihrer Exporte in 2008 zu verzeichnen hatten, kamen ebenfalls weniger Besucher.

Die Top Ten-Besuchernationen nach Deutschland sind: Italien, Großbritannien, Niederlande, Spanien, Frankreich, Belgien, Türkei, Polen, Griechenland und die USA. Auf relativ kleinem Niveau konnten einige afrikanische Länder wachsen wie Ägypten und Algerien.

Messe Frankfurt-Geschäftsführer Braun sieht seine Vormesse-Prognose bestätigt: „Das Jahr wird in dieser wirtschaftlichen Lage kein Rekordjahr für Messen. Aber wir freuen uns mit den Ausstellern,  die in den vergangenen Tagen Erfolg hatten. Denn das beweist: Es kommt einzig darauf an, was wir daraus machen. Und da zeigt sich heute ein klares Branchen-Bekenntnis zur Heimtextil, der weltweiten Leitmesse für Wohn- und Objekttextilien.“

Positives Messesignal in schwerer Zeit: Hohe Zufriedenheit mit Messeergebnissen bei Ausstellern und Besuchern
Entgegen der schlechten Ausgangslage kamen die Aussteller wie auch die Besucher auf der Heimtextil voll auf ihre Kosten. Die große Zufriedenheit mit der Messeteilnahme zeigte sich insbesondere im Angebotsbereich Tapete und Wandbekleidung, bei Bettwäsche und Bettwaren sowie bei den Ausstellern in den Premiumsegmenten Asian Vision und den Anbietern in der Objektaustattung.

Besonders zufrieden stimmte die Aussteller die gute Frequenz und Entscheiderqualität der Besucher. Außer den traditionell stark vertretenen Besuchergruppen des Handels, des Handwerks, der Raumausstattung, aus dem Interieur Design und der Industrie kamen in diesem Jahr mehr Fachleute aus Architektur, Hotellerie und Klinikausstattung zur Heimtextil.

Das reichhaltige Produkt- und Themenangebot der Heimtextil 2009 stimmte auch die Besucher hoch zufrieden: 91 Prozent der Befragten sowohl aus dem In- und Ausland gaben diese Bewertung ab.

Neue Orientierung durch Nachhaltigkeit und Innovationen
Die Resonanz während der Messe bestätigte die Prognose der kurz zuvor befragten Aussteller der Heimtextil der Jahre 2008 und 2009: Befragt zu den Faktoren, die ihren Umsatz im Jahr 2009 positiv beeinflussen werden, nannten sie neue Einrichtungstrends und sich beschleunigende Konsumzyklen sowie Nachhaltigkeit als Kriterium für Kaufentscheidungen.

Ganz im Trend mit diesen Leitthemen der Branche hatte die Heimtextil diesen Innovationen und ihrer Verknüpfung mit der designorientierten Objekteinrichtung und den Anforderungen, die der Industrie und dem Handel zukünftig aus Verbraucher- und Architektenkreisen gestellt werden, zwei international besetzte Vortrags- und Präsentationsareale geboten. Die Resonanz war überwältigend.

Insbesondere das Interesse der Heimtextil-Besucher an den Werten und Methoden nachhaltigen Wirtschaftens war enorm. „Ich habe in vielen Gesprächen sowohl mit Vertretern aus Industrie als auch dem Handel gehört, wie wichtig eine solche Neuausrichtung gesehen wird. Die Qualitätssicherung und Transparenz für nachhaltige Vorgehensweisen in Produktion und Lieferkette wird für unseren Markt ein konkreter, und wichtiger erster Schritt sein. Und die Heimtextil hat das Verdienst, dass sie sich als größtes 'Schaufenster' für den Wohntextilmarkt dieses komplexen Themas für die Weiterentwicklung unserer Branche annimmt", sagt Niels Hother Madsen, Referent des Vortragsprogramms "Eco Luxury, Green Business und Innovation", Hauptabteilungsleiter für Administrativen Einkauf, Logistik und Social Compliance bei Dänisches Bettenlager.

Zum Thema „Design meets Sustainability“ referierten unter anderem Experten wie Professor Dr. Michael Braungart („Cradle to cradle“). Reinhard Backhausen präsentierte die erste nach Cradle to cradle-Kriterien gefertigte Dekostoff-Kollektion der Welt für den Einsatz im Wohn- und Objektbereich mit Trevira CS-Material.

Die Haustextilien stehen dem in nichts nach: Die österreichische Firma Framsohn Frottier zeigte das weltweit erste „Niedrigenergie-Handtuch“. Schon bei der Produktion werden 30 Prozent weniger Chemikalien verwendet, Weichmacher entfallen ganz. So entsteht ein Handtuch, das sowohl in der Herstellung als auch in der Verwendung ökologisch ist, weil es Wasser und Waschmittel sparen hilft.

Textile Objekteinrichtung hat ihren Marktplatz auf der Heimtextil

Mehr als 350 Aussteller aus allen Angebotsbereichen nahmen aktiv an der Marketinginitiative „Contract Creations“ der Heimtextil teil und erleichterten Besuchern aus Architektur, Interieur Design und Planung den Zugang zu neuen, textilen Materialwelten. Janine Tsias, Dipl.-Ing. Innenarchitektin, Farbdesigner BEF, Faust Consult, Wiesbaden: „Ich bin für die Ausstattung großer Krankenhäuser im arabi-schen Raum zuständig. Und dort wird sehr viel mehr Geld für die In-nenausstattung ausgegeben als in Deutschland. Auf der Heimtextil finde ich die dekorativen Stoffe, die ich suche. Eine große Hilfe ist für mich der Contract Guide und der AIT Architekten-Rundgang.“

Der Heimtextil Trend begeisterte die Branche mit sechs Trendaussagen, die Visionen für das Design der kommenden Wohnsaison unter dem Titel „Expect the Unexpected“ vorausschickten und für ihre inspirierende und „griffige“ Aufbereitung im Trendforum und dem neu als Magazin mit Arbeitsunterlage konzipierten Trend-Buch gelobt wurden. Das Trendforum hat in diesem Jahr mehr Besucher angezogen als in den Jahren zuvor. Ein großer Erfolg für die Mitglieder des Trendtable, der in diesem Jahr unter der Ägide des Stijlinstituut Amsterdam stand.

Die Innenstadt-Aktion Heimtextil goes City brachte den  End-verbrauchern am Messesamstag in der Frankfurter City die einmalige Gelegenheit, die neuesten Messetrends ganz aktuell zu erleben und zu kaufen: 30 Raumausstatter, Bettenfachgeschäfte, Werkstätten, Buchhandlungen und der Palmengarten öffneten in Frankfurt am Main hierzu ihre Pforten und gewährten erste Einblicke in die textilen Trends der Fachmesse und die Welt der Naturfasern.

Insgesamt verzeichnete die Heimtextil in diesem Jahr 2.721 Aussteller aus 64 Ländern. Sie ist damit die größte internationale Fachmesse für Wohn- und Objekttextilien.

Heimtextil für Besucher